Aus der Burkhalter Gruppe

Frauenpower in der Gebäudetechnik

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Frauen und Technik. Warum schwingen in dieser Wortkombination immer noch alte Klischees mit, obwohl Frauen längst ihre Kompetenz und Innovationskraft in technischen Berufen bewiesen haben? Wir haben mit Christina Gander gesprochen, die auf bald 30 Jahre Erfahrung in der Branche zurückblicken kann.

Christina, bei der Burkhalter Gruppe bist du heute für das Qualitätsmanagement (QM) bei der Gruppe und für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz im Bereich HLKS verantwortlich.  Was hat dich ursprünglich in die Gebäudetechnikbranche geführt?
Das war Zufall, denn eigentlich wollte ich ja immer Hochbauzeichnerin werden (lacht). Es war auch nicht in erster Linie die Branche, die mich gereizt hat, sondern die Möglichkeit, Projekte von Anfang bis Ende selbständig zu betreuen und die Verantwortung zu tragen. Ausserdem hat es mich immer schon zur Technik hingezogen

Gab es bestimmte Personen, die dich dazu inspiriert haben, deinen Karriereweg zu wählen?
Ja, meine Berufsberaterin. Sie hat meinen Sinn für technische Details und mein Interesse an physikalischen Vorgängen erkannt und mir die Ausbildung zur Lüftungszeichnerin empfohlen. Da ich auch schon immer gute Noten in Mathe und Physik hatte, bekam ich auch relativ schnell eine Lehrstelle.

Welche Herausforderungen sind dir damals als Frau begegnet und wie hast du sie gemeistert?
Die Herausforderungen auf dem Bau sind bis heute die gleichen. Man muss als Frau immer mehr leisten, um sich durchzusetzen und respektiert zu werden. Das habe ich insbesondere in internationalen Projekten zu spüren bekommen, wo Fehler kostspielig sind und der Druck hoch ist. Einer Frau wird da doppelt so oft auf die Finger geschaut. Da fällt dann auch jeder Fehler schnell auf und bleibt jedem lange in Erinnerung. Umgekehrt gilt das aber auch für Erfolge. Nachdem ich mich bewährt hatte, fand ich immer breite Unterstützung im Team – und erhielt als Selbständige entsprechend auch regelmässig Folgeaufträge.

Welche Eigenschaften hältst du für entscheidend in einer männerdominierten Gebäudetechnikwelt?
Wichtig sind Durchhaltevermögen und Fachkompetenz. Wer sich beweisen kann, überwindet die Skepsis schnell. Mir persönlich hat sicher auch die Erfahrung im Leistungssport geholfen, nicht locker zu lassen und mich durchzusetzen. Man muss sich aber auch einordnen können, ein Teil dieser Männerwelt werden – ohne sich zu verstellen. Man darf nicht heikel oder empfindlich sein, aber man darf Frau bleiben und auch charmant sein, ohne gleich als schwach wahrgenommen zu werden. Ich habe immer mit angepackt – egal, ob auf der Baustelle, als Projektleiterin oder als Verantwortliche für die Inbetriebnahme: In allen meinen bisherigen Positionen war Leistung immer der Schlüssel zum Erfolg. Und die Wertschätzung der Leistung anderer. Wer andere wertschätzt, wird selbst wertgeschätzt. Ohne das geht gar nichts. Und es braucht Herzblut: Wenn man wirklich mit Leib und Seele bei der Sache ist, stehen einem, unabhängig vom Geschlecht, alle Wege offen.

«Es war mir schon immer wichtig, selbständig zu arbeiten und die Resultate meiner Arbeit direkt zu sehen.»
Christina Gander, Verantwortliche QMU Gruppe / Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz HLKS

Wie bewertest du die Entwicklung der Geschlechtergleichheit in deiner Branche?
Es ist tatsächlich nicht mehr so wie früher. Frauen sind heute weniger die Exoten: Es gibt immer mehr Architektinnen oder Bauzeichnerinnen. Vielleicht sind wir im technischen Bereich noch nicht so stark präsent, aber auf dem Bau ganz sicher. Und es gibt auch immer mehr Fördermassnahmen, gerade innerhalb der Burkhalter Gruppe: Der Girls Day ist da nur ein Beispiel.

Siehst du dich als Vorbild oder Mentorin für andere Frauen in technischen Berufen?
Als Vorbild vielleicht nicht gerade – aber ich versuche, meine Erfahrungen zu teilen und unterstütze auch meine Tochter, die es ebenfalls in die Baubranche zieht und nächstes Jahr die Lehre zur Zeichnerin EFZ in der Fachrichtung Architektur beginnt. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Mentorinnen und Mentoren eine entscheidende Rolle in der Karriere spielen. Ich selbst habe in meiner Karriere so viele technische Gewerke abgedeckt – ohne die fachliche Unterstützung von anderen hätte ich das nicht geschafft. Aber auch die emotionale Unterstützung ist wichtig, und ich bin sehr dankbar, dass ich beides erhalten habe. 

Wie eingangs erwähnt bist du heute bei der Burkhalter Gruppe für das Qualitätsmanagement und im Bereich HLKS für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz verantwortlich, vermisst du die praktische Arbeit auf der Baustelle?
Meine heutige Rolle ist theoretischer als meine frühere, praxisorientierte Tätigkeit auf der Baustelle. Natürlich werde ich nostalgisch, wenn ich wieder einmal auf einer Baustelle bin. Aber die Möglichkeit, bei der Burkhalter Gruppe das Qualitätsmanagement aufzubauen, war eine einmalige Chance, für die ich sehr dankbar bin. Meine praktische Erfahrung kommt mir hier zugute und es macht mir Spass, heute anderen die Arbeit zu erleichtern und unsere Gruppengesellschaften aktiv zu unterstützen. Und für die Audits darf ich ja auch heute noch regelmässig auf die Baustelle (lacht).

Christina Gander ist seit August 2023 für Qualitätsmanagement, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz HLKS bei der Burkhalter Gruppe in Zürich verantwortlich. Zuvor besetzte sie verschiedene Führungspositionen und war unter anderem für komplexe Systeme (HLKS und Elektro) in internationalen Rechenzentren verantwortlich.